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SysKonnect Ratgeber für Netzwerktechnik

Treiber

Wake-on-LAN einrichten: BIOS, Treiber und Magic Packet

Wake-on-LAN einrichten: die Funktion im BIOS oder UEFI aktivieren, die Netzwerkkarte unter Windows und Linux freigeben und das Magic Packet richtig adressieren.

Von Redaktion SysKonnect

Kurz gesagt

Wake-on-LAN braucht drei Freigaben: die Weckfunktion im BIOS oder UEFI, die Erlaubnis in den Adaptereinstellungen (unter Windows im Geräte-Manager, unter Linux per ethtool) und ein Magic Packet an die MAC-Adresse des verbundenen Adapters. Ausprobieren zuerst im selben lokalen Netz und aus dem Energiesparmodus, erst danach nach dem Herunterfahren.

Wake-on-LAN (WoL) kann einen ausgeschalteten oder im Ruhezustand befindlichen Computer über das Netzwerk starten. Dafür müssen mehrere Voraussetzungen zusammenspielen: Die Funktion muss im BIOS oder UEFI aktiviert sein, die Netzwerkkarte muss auf das Wecksignal reagieren dürfen und ein Magic Packet muss an die richtige Netzwerkadresse gelangen.

Die genaue Bezeichnung der Optionen unterscheidet sich je nach Gerät und Betriebssystem. Die folgenden Schritte zeigen, worauf Sie bei Windows und Linux achten sollten und wie Sie typische Fehlerquellen eingrenzen.

Wake-on-LAN einrichten: So funktioniert das Wecksignal

Ein Magic Packet ist eine speziell aufgebaute Netzwerk-Nachricht. Sie enthält die MAC-Adresse der Netzwerkkarte, die geweckt werden soll. Die Netzwerkkarte erkennt diese Nachricht und löst den Start des Computers aus, sofern sie im passenden Energiesparzustand weiterhin mit Strom versorgt wird.

Das unterscheidet Wake-on-LAN vom normalen Einschalten: Der Computer muss nicht vollständig laufen, aber bestimmte Komponenten bleiben aktiv. Dazu gehören je nach Gerät die Netzwerkkarte und Teile der Hauptplatine. Wird die Stromversorgung vollständig getrennt, kann die Netzwerkkarte kein Signal empfangen.

Für die Einrichtung sind drei Ebenen wichtig:

  • BIOS oder UEFI: Die Firmware muss das Aufwecken über das Netzwerk erlauben.
  • Betriebssystem und Netzwerkkarteneinstellungen: Windows oder Linux darf die Netzwerkkarte nicht daran hindern, auf ein Magic Packet zu reagieren.
  • Netzwerk: Das Paket muss den Computer erreichen und an die korrekte MAC-Adresse gerichtet sein.

Beginnen Sie mit der Firmware und prüfen Sie danach die Einstellungen im Betriebssystem. So lässt sich leichter erkennen, an welcher Stelle die Funktion noch blockiert wird.

Wake-on-LAN im BIOS oder UEFI aktivieren

Starten Sie den Computer neu und öffnen Sie während des Startvorgangs das BIOS- oder UEFI-Menü. Welche Taste dafür vorgesehen ist, hängt vom Gerät ab. Häufig wird die passende Taste kurz auf dem Bildschirm angezeigt; die Dokumentation des Geräts nennt sie ebenfalls.

Suchen Sie nach einer Option, die Wake-on-LAN, LAN Wake-up, Power On by PCI-E oder ähnlich heißt. Je nach Hersteller kann sich die Einstellung etwa in Bereichen wie „Power“, „Advanced“ oder „Onboard Devices“ befinden. Aktivieren Sie die Option und speichern Sie die Änderung, bevor Sie das Menü verlassen.

Beachten Sie, dass einzelne Geräte zusätzliche Einstellungen anbieten. Eine Option für das Aufwecken aus dem Ruhezustand ist nicht immer gleichbedeutend mit dem Aufwecken nach dem Herunterfahren. Prüfen Sie daher, welche Energiesparzustände von der jeweiligen Firmware unterstützt werden. Wenn eine passende Option fehlt, kann die Gerätefirmware die Funktion einschränken oder anders benennen.

Bei manchen Computern beeinflusst auch eine Einstellung für besonders sparsamen Standby- oder Ausschaltbetrieb die Stromversorgung der Netzwerkkarte. Ist die Karte im ausgeschalteten Zustand ohne Strom, kann sie kein Magic Packet empfangen. Ändern Sie solche Optionen nur, wenn deren Bedeutung in der Gerätebeschreibung klar ist.

Einstellungen der Netzwerkkarte unter Windows prüfen

Nach der Firmware folgt die Konfiguration im Betriebssystem. Öffnen Sie den Geräte-Manager und suchen Sie unter „Netzwerkadapter“ den tatsächlich verwendeten Ethernet-Adapter. Öffnen Sie dessen Eigenschaften. Die verfügbaren Register und Bezeichnungen können je nach Netzwerkkarte und Windows-Version abweichen.

Prüfen Sie im Register „Erweitert“, ob Einträge wie „Wake on Magic Packet“ oder „Wake on LAN“ vorhanden sind. Ist eine solche Option verfügbar, muss sie aktiviert sein. Andere Einträge, etwa zum Aufwecken bei bestimmten Musterpaketen, sind für ein einfaches Magic-Packet-Szenario nicht zwingend erforderlich.

Im Register „Energieverwaltung“ finden sich häufig Optionen dazu, ob der Computer das Gerät zum Energiesparen ausschalten darf und ob die Netzwerkkarte den Computer aktivieren kann. Aktivieren Sie die Möglichkeit zum Aufwecken durch das Netzwerk. Falls die Karte durch die Energiesparverwaltung abgeschaltet wird, kann es nötig sein, diese Abschaltung für den Netzwerkadapter zu verhindern. Die passenden Auswahlmöglichkeiten hängen vom Gerät ab.

Prüfen Sie anschließend, ob die Netzwerkkarte weiterhin mit dem Netzwerk verbunden ist, wenn der Computer in den vorgesehenen Ruhezustand wechselt. Kontrollleuchten am Ethernet-Anschluss können einen Hinweis geben, sind aber kein sicherer Nachweis dafür, dass ein Magic Packet verarbeitet wird.

Diese Schritte betreffen ausschließlich die WoL-Konfiguration. Sie ersetzen keine Installation oder Aktualisierung eines Netzwerktreibers; wie das unter Windows abläuft, steht unter Windows-Netzwerktreiber installieren, zurücksetzen und sauber entfernen. Wenn bestimmte Register oder Optionen fehlen, kann die Ursache bei der Hardware, der Firmware oder der vorhandenen Treiberunterstützung liegen.

Wake-on-LAN unter Linux konfigurieren

Unter Linux hängt die Einrichtung ebenfalls von Firmware, Netzwerkkarte und Netzwerkdienst ab. Zunächst muss die Netzwerkschnittstelle ermittelt werden. Namen wie enp3s0 sind Beispiele; der tatsächliche Name auf Ihrem System kann anders lauten.

Mit ip link lassen sich die verfügbaren Schnittstellen anzeigen. Für viele kabelgebundene Adapter kann das Werkzeug ethtool den WoL-Status ausgeben. Ein Aufruf wie sudo ethtool enp3s0 zeigt bei unterstützten Geräten unter anderem, ob die Funktion verfügbar ist und welcher Weckmodus eingestellt ist. Ersetzen Sie den Beispielnamen durch den Namen Ihrer Schnittstelle.

Der Buchstabe g in der WoL-Angabe steht bei vielen unterstützten Adaptern für das Aufwecken durch ein Magic Packet. Falls die Funktion verfügbar, aber nicht eingeschaltet ist, kann sie mit einem Befehl wie diesem aktiviert werden:

sudo ethtool -s enp3s0 wol g

Dafür sind Administratorrechte erforderlich. Der genaue Umfang der unterstützten Modi ist hardwareabhängig.

Eine Änderung mit ethtool kann nach einem Neustart verloren gehen. Soll Wake-on-LAN dauerhaft aktiv bleiben, muss die Einstellung über die Netzwerkverwaltung oder einen geeigneten Systemdienst beim Start erneut gesetzt werden. Die richtige Vorgehensweise hängt davon ab, wie die Distribution die Netzwerkschnittstellen verwaltet. Ändern Sie keine Systemdateien auf Verdacht; prüfen Sie zuerst die Dokumentation der eingesetzten Linux-Umgebung.

MAC-Adresse und Magic Packet richtig zuordnen

Das Magic Packet muss an die MAC-Adresse der Netzwerkkarte gesendet werden, die den Computer aufwecken soll. Ein Gerät kann mehrere Netzwerkadapter besitzen, zum Beispiel für Ethernet und WLAN. Verwenden Sie die Adresse des Adapters, der für Wake-on-LAN eingerichtet ist und mit dem Netzwerk verbunden bleibt.

Unter Windows können Sie die Netzwerkdetails über die Systemeinstellungen oder eine Eingabeaufforderung mit ipconfig /all anzeigen lassen. Unter Linux liefert ip link die Adressen der Schnittstellen. Notieren Sie die MAC-Adresse vor dem Wechsel in den Ruhezustand und gleichen Sie sie beim Senden des Pakets sorgfältig ab.

Für die erste Prüfung sollten sich der sendende Rechner und der Zielcomputer im selben lokalen Netzwerk befinden. Das vereinfacht die Fehlersuche, weil Weiterleitung über Router oder andere Netzgrenzen zunächst keine Rolle spielt. Nutzen Sie ein dafür vorgesehenes Programm oder eine Netzwerkfunktion, die ein Magic Packet erzeugt, und tragen Sie die MAC-Adresse des Zieladapters ein.

Wake-on-LAN prüfen und Fehler eingrenzen

Probieren Sie die Funktion zunächst aus einem unterstützten Ruhezustand aus. Fahren Sie den Zielcomputer nicht sofort vollständig herunter, sondern prüfen Sie zuerst, ob er sich aus dem Energiesparmodus wecken lässt. Gelingt das, können Sie weitere unterstützte Zustände einzeln prüfen.

Wenn der Computer nicht reagiert, gehen Sie die möglichen Ursachen der Reihe nach durch:

  • Firmware: Ist die passende Netzwerk-Weckfunktion im BIOS oder UEFI eingeschaltet?
  • Netzwerkkarte: Ist das Aufwecken durch ein Magic Packet in den Adaptereigenschaften aktiviert?
  • Stromversorgung: Bleibt die Netzwerkkarte im ausgewählten Energiesparzustand aktiv?
  • MAC-Adresse: Gehört die verwendete Adresse zum angeschlossenen Adapter?
  • Verbindung: Ist der Zielcomputer über den Adapter mit dem Netzwerk verbunden, für den WoL eingerichtet wurde?
  • Paket: Wird tatsächlich ein Magic Packet an das Ziel gesendet und nicht nur eine allgemeine Netzwerk-Nachricht?

Ändern Sie nach Möglichkeit nur eine Einstellung auf einmal und prüfen Sie anschließend erneut. So erkennen Sie, ob eine Änderung die Ursache behoben oder das Verhalten verändert hat. Funktioniert WoL aus dem Ruhezustand, aber nicht nach dem Herunterfahren, liegt der Unterschied oft bei der Unterstützung des jeweiligen Ausschaltzustands durch Firmware oder Hardware.

Fazit

Damit Wake-on-LAN zuverlässig funktioniert, müssen Firmware, Netzwerkkarte und Netzwerk gemeinsam richtig eingestellt sein. Aktivieren Sie die passende Option im BIOS oder UEFI, erlauben Sie das Aufwecken in Windows oder Linux und verwenden Sie die MAC-Adresse des verbundenen Adapters. Prüfen Sie die Funktion zunächst im lokalen Netzwerk und in einem unterstützten Energiesparzustand.

Unterstützt der vorhandene Anschluss die Funktion nicht, ist eine Gigabit-Netzwerkkarte für PCIe eine Möglichkeit; dort ist Wake on LAN als Zusatzfunktion eingeordnet. Ob die Verbindung des geweckten Rechners die erwartete Leistung bringt, zeigt eine Durchsatzmessung mit iperf3. Weitere Themen sammelt die Rubrik Treiber.

Häufige Fragen

Kann Wake-on-LAN über WLAN funktionieren?

Das hängt von der Netzwerkkarte, dem Gerät und der Firmware ab. Bei vielen Computern ist Wake-on-LAN vor allem für eine kabelgebundene Ethernet-Verbindung vorgesehen; WLAN muss ausdrücklich unterstützt werden. Prüfen Sie die technischen Angaben des Geräts, bevor Sie von einer Unterstützung über Funk ausgehen.

Lässt sich ein Computer über das Internet aufwecken?

Das ist grundsätzlich von der Netzwerkkonfiguration und der Erreichbarkeit des Geräts abhängig, aber nicht mit einer einfachen lokalen WoL-Einrichtung gleichzusetzen. Eine Weiterleitung von Netzwerkverkehr kann zusätzliche Sicherheitsrisiken mit sich bringen. Richten Sie Fernzugriffe nicht ohne Verständnis der Router- und Sicherheitskonfiguration ein.

Funktioniert WoL nach dem vollständigen Trennen vom Strom?

Nein, eine Netzwerkkarte kann kein Magic Packet empfangen, wenn sie nicht mit Strom versorgt wird. Nach dem Wiederanschließen der Stromversorgung hängt das Verhalten davon ab, ob das Gerät die Netzwerk-Weckfunktion erneut bereitstellt. Ein Start nach Stromausfall ist eine eigene Firmware-Einstellung und nicht dasselbe wie Wake-on-LAN.

Kann ein Computer aus jedem Energiesparzustand geweckt werden?

Nein. Welche Zustände unterstützt werden, hängt von der Hardware, der Firmware und dem Betriebssystem ab. Prüfen Sie die Angaben zum Gerät und probieren Sie die gewünschten Zustände getrennt voneinander aus.